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Wednesday 25th of April 2018
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Wir sind ein Teil dieser Gesellschaft“

Ohne Nachfrage fängt Mohamed Seddadi an, von der Medienberichterstattung über Muslime zu reden. „Ich hasse diese Pauschalisierungen“, sagt er. Noch ist die Abubakr-Moschee fast leer, es ist halb acht Uhr morgens. Das Gebet beginnt in einer halben Stunde. Seddadi sitzt hinter seinem Schreibtisch im Vorstandszimmer der Islamischen Gemeinde Frankfurt. Nach den Anschlägen in Spanien waren Zeitungen und Websites wieder voller Analysen und Kommentare zum islamistischen Terror. Der Attentäter von Barcelona war Marokkaner, wie Seddadi. Das Thema beschäftigt ihn.

In den vergangenen Jahren seien viele Journalisten beim Verein gewesen, alle hätten etwas über Dschihadismus erfahren wollen. „Aber nie schreiben sie über unsere ehrenamtliche Arbeit, über interreligiöse Dialoge und was wir hier leisten.“ Ob sich die öffentliche Meinung über den Islam verschlechtert hat? „Ich denke schon,“ sagt Seddadi. Und seit dem Wahlerfolg der AfD erwartet der Verein, dass die Islamfeindlichkeit noch weiter zunehmen werden. Ein Ergebnis von mehr als zehn Prozent für die rechtspopulistische und in Teilen islamfeindliche Partei hatten die Gemeindemitglieder nicht erwartet. Und das besorgt sie.

Seddadis Kollege Mounir El Horchi sagt, er habe einen Umschwung der Stimmung in Deutschland bereits bemerkt. „Ich habe das Gefühl, dass Beleidigungen gegen Muslime salonfähig geworden sind. Durch den Wahlkampf der AfD ist es sowieso schon schlimmer geworden. Jetzt können diese Politiker auch noch den Bundestag als Sprachrohr nutzen“, erklärt das Vorstandsmitglied. Droh- und Hetzbriefe sind in den vergangenen Wochen vermehrt bei dem Verein eingegangen. Dabei glaubt er, dass nicht nur Muslime von dem Wahlergebnis betroffen sein werden: „Ich glaube, das betrifft alle Minderheiten. Juden wird es wahrscheinlich auch nicht besser gehen. Wir sind zwar jetzt das schwarze Schaf, aber wir sind nicht das Ziel, sondern Ziel sind alle Minderheiten.“
„Einen klaren Kopf bewahren“

Tatsächlich hat sich die Einstellung besonders gegenüber Muslimen zum Negativen verändert. Eine Studie der Universität Leipzig aus dem Jahr 2016 kam zu dem Ergebnis, dass in Deutschland Vorurteile gegenüber Muslimen zugenommen haben. Außerdem gab jeder zweite Befragte an, sich wegen Muslimen in Deutschland „wie ein Fremder im eigenen Land“ zu fühlen.  Laut des Islamwissenschaftlers Albrecht Fuess von der Universität Marburg hatte der Islam noch nie ein positives Bild in Europa. Im deutschen Bewusstsein sei er seit den Anschlägen des elften September präsent, und sofort mit Sicherheitspolitik und Terrorbekämpfung verbunden worden – ein Image, das die Religion nicht mehr los wurde.

Zu Beginn des Gebets ist die Abubakr-Moschee voller Menschen. Die Männer im Büro des Vorstandes fangen an, in ein Mikrofon zu singen. „Allahu Akbar“ in verschiedenen Melodien. „Selbst das dürfen wir nicht mehr sagen“, beschwert sich Seddadi, „es heißt nichts Schlimmes, einfach ,Gott ist groß‘. Mir hat mal jemand erzählt, dass ihm gesagt wurde, man solle zustechen wenn ein Muslim das sagt. Was ist nur los mit der Welt?“

Dass Menschen wegen Terroranschlägen gegen Muslime sind, könne El Horchi eigentlich nicht nachvollziehen. „Im ersten Moment vielleicht, ja. Das ist menschlich.“ Er wünscht sich aber, dass man trotz des negativen Bildes, einen „klaren Kopf“ bewahren und sich mit der Religion auseinandersetzen würde. „Es muss eine gewisse Art von Respekt und Toleranz vorhanden sein“, findet er. Trotz des hohen Wahlergebnisses der AfD möchte er zuversichtlich bleiben: „Über 80 Prozent der Deutschen haben nicht die Haltung der AfD und das beruhigt uns ein bisschen.“

Gründe für den Erfolg der rechtspopulistischen Partei seien laut El Horchi teilweise Versäumnisse der etablierten Parteien. Die AfD sei schließlich durch Ängste und Sorgen der Bürger so stark geworden und dagegen sei nicht genug unternommen worden. Dennoch ist es für ihn unverständlich. Denn dort, wo am wenigsten Ausländer leben, hat die Partei am stärksten abgeschnitten. „Man hasst was man nicht kennt, sagt man bei uns.“
Konstruktive Gespräche als Aufgabe

In Deutschland fühlen sie sich trotz allem wohl. Seddadi und El Horchi sind vor mehr als zwanzig Jahren eingewandert. „Hier möchte ich leben und alt werden“, sagt El Horchi. Durch verschiedene Aktionen möchte die Gemeinde den Sorgen und Fragen der Menschen entgegentreten. Bald ist der Tag der offenen Moschee, bei dem jeder willkommen sei. „Jeder der möchte, kann kommen und mit uns reden. Auch wenn Rassisten zu uns kommen würden, wir sprechen gerne mit ihnen.“ El Horchi erklärt, dass sich die Gemeinde als Teil der deutschen Gesellschaft sieht. Und konstruktive Gespräche mit Menschen zu führen, die Angst vor dem Islam haben, sei ihre Aufgabe als Teil dieser Gesellschaft.

Dennoch kenne er auch Muslime, denen das Wahlergebnis Angst gemacht hat. Das sei zum Großteil Verunsicherung über die zukünftige Entwicklung in Deutschland. Für einen Bekannten sei nach langer Überlegung schließlich das Wahlergebnis der ausschlaggebende Impuls gewesen, um auszuwandern.

In der Abubakr-Moschee ist das Gebet vorbei, der Vorplatz leert sich langsam. Die letzten Frauengruppen kommen aus dem Gebäude. Basma gehört dazu, sie sieht das alles nicht so eng: „Ich bin da zuversichtlich. Ich wurde hier geboren und ich erlebe fast nie etwas islamfeindliches, obwohl ich ein Kopftuch trage“, erzählt sie. Das liege vielleicht auch daran, dass in Frankfurt so viele Migranten leben. Das ganze Thema sei aufgebauscht durch Medien und Politiker, die Stimmen wollen. „Die Menschen sollten sich weniger davon beeinflussen lassen und uns einfach kennenlernen!“

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